| Hat Ihnen der Apfel geschmeckt?", fragt mich der Anrufer.
Wie bitte?" Na, der Apfel! Hat er Ihnen
geschmeckt?" Ich bin deutlich verwirrt. Da ruft mich einer
an und fragt mich, ob mir der Apfel geschmeckt hat ... Ich kapiere
offensichtlich gar nichts und frage nach. Es stellt sich schließlich
heraus, dass der Bewerber einen Apfel in einem separaten Päckchen
an mich geschickt hat, um mit diesem Teaser meine Neugier auf
ihn zu wecken. Dummerweise kam der Apfel nicht vor der Bewerbung
und verursachte dadurch nichts als einen peinlichen Moment.
Gags verschicken
Jetzt bin ich ein lustiger aufgeschlossener Mensch und für jeden
Gag zu haben. Nur, selbst wenn dieser Apfel wie geplant
vor der Bewerbung angekommen wäre, hätte ich nur den
Kopf geschüttelt. Denn der Bewerber verstand es nicht, seine
außergewöhnliche Idee so zu verpacken, dass sie Sinn macht.
Und den verlange ich durchaus bei einer Bewerbung: irgendein
Bogen vom Apfel zum Bewerber muss da schon gespannt werden.
Ganz generell sollte aufpassen, wer witzig sein will: Bei welchem
Unternehmen bewerben Sie sich? Wie präsentiert sich dieses Unternehmen?
Außergewöhnlich sein und dadurch aus der Masse hervorstechen,
ist wunderbar. Aber nicht jeder Gag ist auch originell.
Unpassendes bringt Ihre Bewerbung gleich auf den Absagestapel
oder kann Ihre ansonst gute Bewerbung gleich etwas ins
falsche Licht rücken.
In die Abteilung Gruselkabinett gehören auch schlechte Reime
à la: Die Stelle interessiert mich sehr, drum möcht
ich drüber wissen mehr." In all den Jahren, in denen ich auch
für die Bewerberauswahl und -einstellung zuständig war, habe
ich immer wieder derart peinliche Hobbydichter gehabt. Okay,
es ist Geschmackssache, aber meiner Meinung nach hat ein Gedicht
in einer Bewerbung nichts, aber auch überhaupt nichts zu suchen,
außer Sie bewerben sich als Poet.
Der Look Ihrer Unterlagen
Hier eine Auswahl von Unglaublichkeiten, die Bewerber tatsächlich
wegschicken:
- das Anschreiben ist eine schlechte Kopie, bei der im Betreff
eine Zeile für die Position gelassen wurde
- das Anschreiben ist voller Schreibfehler, hin und wieder
fehlt sogar die Unterschrift
- der Lebenslauf ist mehrere Jahre alt und hört einfach irgendwann
vor dem aktuellen Datum auf
- die Unterlagen sind nicht vollständig, also nur jedes zweite
Zeugnis ist dabei
- die Unterlagen sind knittrig und sehen aus, als ob jemand
darauf gefrühstückt hätte
- die Anforderungspostkarte"
- Verbrecherfotos
Ich wünschte, ich würde übertreiben! Selbstverständlich sind
die meisten Bewerbungen wirklich in Ordnung und sehen auch ganz
gut aus. Trotzdem bleibt eine Fülle von Bewerbungsmappen, bei
denen man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann. Denn abgesehen
davon, dass der Bewerber deutlicher nicht demonstrieren kann,
dass er ein Schlamper ist, sich nicht selbst präsentieren kann
und auch sonst keinen gesteigerten Wert auf Sorgfalt legt, ist
es schlicht und ergreifend auch mangelnder Respekt dem Empfänger
gegenüber.
Das Anschreiben
In der Praxis sind die Begleitschreiben leider irrsinnig nichtssagend
und gleichlautend:
*******************************************************************************
Sehr geehrte Frau Härter,
ich interessiere mich für die Stelle als xyz. Ich glaube, dass
ich geeignet bin, weil ich engagiert und teamfähig bin.
Ich bin Stress gewöhnt und belastbar. Über eine Einladung zum
Gespräch würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüßen
*******************************************************************************
Sowas ist nicht nur furchtbar für den Empfänger, der 100 gleichlautende
Bewerbungen auf den Tisch bekommt und irgendwie herausfinden
soll, wen er denn nun einladen sollte. Es ist auch eine verpasste
Chance, denn mit dem Brief entscheidet sich natürlich
neben Ihrer Qualifikation und Ihren Zeugnissen ob Sie
zum Interview eingeladen werden oder gleich eine Absage bekommen.
Hier wortwörtlich der Text einer Bewerbung (Anforderungskarte"),
die ich auf eine Stellenanzeige im März 1996 bekommen habe.
Es handelt sich um einen gedruckten Text auf einer Postkarte.
In der Anzeige war unter anderem mein Name angegeben, den der
Bewerber im Adressfeld auch nannte:
*******************************************************************************
Sehr geehrte Geschäftsleitung/Personalleitung,
bitte teilen Sie mir mit, ob eine Bewerbung in Ihrem Hause
sinnvoll ist. Die Art der Tätigkeit ist mir gleich, da ich mich
auch gerne in neue Fachgebiete einarbeiten würde. Bewerbungsunterlagen
(Lebenslauf, Zeugnisse, etc.) sende ich Ihnen auf Anfrage zu.
Mit freundlichen Grüßen
(Name)
Kurzbiographie: Jahrgang *** Kunststudium in Hamburg
mit Abschlussexamen in Grafik Design (19**) freie Mitarbeit
(Entwurf & Ausführung): u. A. Plakat- und Schriftenmalerei,
Giebel, Wandbilder, Gestaltung von Fahrgeschäften (Riesenrad),
Verkehrsmittelwerbung,
*******************************************************************************************
Woah!, kann ich da nur sagen. Ich habe dem Bewerber geantwortet,
dass ich bei einer Bewerbung gerne die vollständigen Unterlagen
hätte wie in meiner Anzeige erbeten, um zu beurteilen,
ob wir eine passende Stelle für ihn haben. Außerdem habe ich
ihm ausführlich geschrieben, welchen Eindruck diese Karte macht.
Ich kann nur hoffen, dass der Bewerber seinen Stil ändert, sonst
muss er sich nicht wundern, wenn er keine Arbeit findet.
Mit spitzen Fingern ...
Mit der Bewerbungsmappe präsentieren Sie sich. Der Empfänger
kennt Sie nicht. Das ist das erste, was er von Ihnen zu sehen
bekommt und wodurch er sich einen ersten Eindruck von
Ihnen macht.
Es ist ein Trauerspiel, was einem da teilweise auf den Schreibtisch
flattert.
Ja, viele Bewerbungen zu schicken, ist auf Dauer teuer. Aber
sparen Sie nicht an der falschen Stelle: das rächt sich! Wenn
Sie Ihre Bewerbungsunterlagen häufig verschicken, dann achten
Sie einfach von sich aus schon auf eine stabile Mappe und gute
Verpackung. Das schützt Ihre Dokumente.
Es ist gruselig, wenn man eine Bewerbung wirklich nur mit spitzen
Fingern anfasst, weil abgesehen von -zig Knitterfalten ein Kaffeerand
oder sonstige undefinierbare Rückstände zwischen den Blättern
stecken.
Noch ein Tipp: Bevor Sie Unterlagen von einer Firma zur nächsten
schicken, durchblättern und schauen, ob niemand Kommentare dazugeschrieben
oder auf Ihre Zeugniskopien gekritzelt hat. Das sollte zwar
nicht der Fall sein, aber doppelchecken ist besser. Hin und
wieder findet sich auch eine Gesprächsnotiz über das Gespräch,
die der letzte Personaler in den Unterlagen vergessen hat.
Ein früherer Chef hat es sich zur Gewohnheit gemacht, an den
Bewerbungsunterlagen zu riechen" und damit gleich festzustellen,
ob es sich um starke Raucher handelt. Das war für unsere Firma
damals durchaus relevant, weil wir ein Nichtraucherbüro waren.
Bitte vollständig!
Abgesehen davon, dass Ihre Bewerbung ordentlich aussehen sollte,
muss sie auch vollständig sein. Ein Zeugnis, das fehlt, wird
als vermutlich schlechtes Zeugnis angesehen, das Sie nicht zeigen
möchten. Wenn Sie von einer Arbeitsstelle tatsächlich kein Zeugnis
haben, tun Sie zwei Dinge: Fordern Sie es nachträglich an. Sofern
die Firma Ihnen kein qualifiziertes Zeugnis mehr ausstellen
kann, weil es zu lange her ist, dass Sie dort gearbeitet haben,
bekommen Sie auf jeden Fall ein einfaches Zeugnis, aus dem der
Zeitraum, die Position und die Aufgaben Ihrer Tätigkeit hervorgehen
mit dem Hinweis, dass eine qualifizierte Aussage über Ihre Arbeitsleistung
und Ihr Verhalten jetzt nicht mehr möglich ist. Wenn Sie Ihre
Bewerbung abschicken möchten, obwohl Sie das Zeugnis noch nicht
haben, seien Sie aktiv und weisen direkt darauf hin, dass das
Zeugnis fehlt und warum. Und natürlich, dass Sie es nachreichen,
sobald Sie es haben.
Lesen Sie aufmerksam die Stellenanzeige ob in der Zeitung
oder im Internet und beantworten Sie etwaige Fragen,
die das Unternehmen vorab stellt. Wenn um Angabe des Gehaltswunsches
gebeten wird, bitte darauf eingehen. Falls Sie Ihren Gehaltswunsch
nicht nennen (obwohl Sie es tun sollten), sprechen Sie diesen
Punkt auf jeden Fall an: Über das Gehalt möchte ich lieber
persönlich mit Ihnen sprechen."
Fotos
Machen Sie ordentliche Bilder! Es lohnt sich, zu einem guten
Fotografen zu gehen: Der passt auf, dass Sie nicht aussehen
wie der letzte Verbrecher, und achtet auch auf optimales Licht.
Sie können dann diese guten Bilder immer wieder nachmachen.
Wenn Sie keine Zeit haben, weil Sie sich spontan zu einer Bewerbung
entscheiden, dann lieber kein Bild als ein furchtbares!
(Mehr zum Thema Foto kannst Du hier nachlesen...
>>)
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